Friede, Freude, Eiersuchen!

 

Ihr Lieben,

 

ein herzliches Dankeschön an Andrea Ego und Rega Kerner dafür, dass ich beim Osterkalender ein Türchen bekomme und euch mit der Kindergeschichte Friede, Freude, Eiersuchen!  hoffentlich gut unterhalte.

 

Frohe Ostern!

Euer Michel Kothe

Osterhasen

 

Friede, Freude, Eiersuchen!

 

Als der Wecker schnarrt, sind die Zwillinge Kim und Leya sofort hellwach. Schadenfroh grinsen sie sich gegenseitig an, haben sie sich doch erfolgreich gegen den Wunsch ihrer Eltern durchgesetzt, am Sonntagmorgen auszuschlafen, und haben heimlich den Wecker gestellt. Rote Leuchtziffern strahlen ihnen entgegen. »05:00«. Doch das Aufziehen der Gardinen und ein kurzer Blick aus dem Fenster lassen die beiden zusammenzucken, und schlagartig verschwindet ihr Lachen: Es regnet in Strömen! Jedoch wird Kims Grinsen wieder breit wie vorher, als sie ihrer Schwester die Lösung zuflüstert.

»Wohnzimmer!«

Ein einziges Wort nur, und auch Leya zieht ihre Mundwinkel wieder bis zu den Ohren.

Anziehen, Zähneputzen undsoweiter sind für die Vierjährigen unwichtig. Wichtig ist etwas anderes, und so schleichen sie im Schlafanzug die Treppe hinunter ins Wohnzimmer. Unterwegs lauschen sie dem Chor aus zwei unterschiedlichen leisen Schnarchgeräuschen, der durch die angelehnte Tür aus dem Elternschlafzimmer dringt. Nun sind sich die Mädchen sicher, während der nächsten beiden Stunden ungestört suchen zu können. Frohen Mutes trippeln sie weiter nach unten.

»Bei dem Wetter hat er sicherlich keine Lust gehabt, auch nur irgendetwas im Garten zu verstecken.«

»Das hast du ja schon gesagt«, bestätigt Leya, und Kim, die Ältere – wenn auch nur um 15 Minuten – strahlt wie das berühmte Honigkuchenpferd. Das Patentrezept, im Wohnzimmer zu suchen, stammt ja von ihr! Doch schon nach wenigen Minuten ist auch ihre gute Laune vorbei, und traurig setzt sie sich neben ihre Schwester auf die Couch. Beiden Mädchen hängen die Mundwinkel herab, Leya schluchzt trocken und gibt sich Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten.

»Hat er uns vergessen, der Osterhase? Das darf doch nicht sein!«

Mit feuchten Augen schaut sie sich um und überlegt fieberhaft, ob sie nicht doch ein Versteck übersehen haben. Nacheinander bleibt ihr Blick für einen Moment an einem anderen Gegenstand hängen. Mal ist es der Sessel, der nun anstatt neben der Stehlampe mitten im Zimmer steht, mal sind es die Wollmäuse, die sie mit ihren Händen unter der Heizung hervor ins Zimmer gescheucht haben, und ein anderes Mal ist es die Gießkanne, die auf der Fensterbank liegt, und die war leer gewesen. Auch ein Ausflug ins Esszimmer fördert keine bunten Eier, keine Schokohasen und keine Osternester zutage.

Insgesamt hat die Expedition ins Erdgeschoss eine geschlagene Stunde beansprucht, und gefühlt die gleiche Zeitlang haben die Mädchen nach einem weiteren Versuch auf der untersten Treppenstufe gesessen. Das gedämpfte Geräusch von Schritten kommt von oben herab und verstummt. Kim und Leya sehen auf, ihre Eltern sind ein paar Stufen über ihnen stehengeblieben und sehen sich verständnislos an.

»Mama, Papa, er war nicht da!«

Kims Schniefen, das die Erklärung begleitet, lässt Mama mitfühlend lächeln. Sie schiebt sich zwischen ihre Töchter und setzt sich auf die für sie viel zu niedrige Stufe. Kim und Leya legt sie einen Arm um die Schultern und zieht sie tröstend zu sich heran. Papas gemurmeltes »Ich hätte wohl doch besser …« quittiert sie mit einem ironischen Lächeln.

»Wisst ihr, der Osterhase kommt doch in der Nacht«, raunt sie ihren Sprösslingen zu, »und da hat es noch nicht geregnet. Jedenfalls noch nicht um Mitternacht.«

»Wenn ihr so lange auf wart, habt ihr ihn denn dann gesehen?«

»Das nicht, man darf ihn ja nicht überraschen. Aber ab und zu huschte – so glaube ich – ein Schatten durch den Garten. Und nun lasst uns frühstücken! Nachher geht ihr raus, wenn der Regen aufgehört hat.«

 

Kims und Leyas Streifzug durch den Garten ist ein voller Erfolg, Osternester mit Geleeeiern, in glänzendes Stanniol gekleidete Schokoladenfiguren – Hasen und Küken – sind reiche Beute. In ihren Regenmänteln und ihren Gummistiefeln bleiben die Mädchen trocken, aber den Plüschfiguren, die sie unter den Sträuchern entdecken, klebt das triefnasse Fell am Körper. Bei ihrem Anblick bricht Leya nun wirklich in Tränen aus, und erst, als Papa den Föhn aus dem Badezimmer holt und den beiden Plüschhasen das Fell trockenbläst, strahlen ihre Augen wieder. Bis zum Mittagessen spielen die Mädchen mit den neuen Mitgliedern ihrer Puppenfamilie. Durchs ganze Haus schallt fröhliches Kinderlachen.

 

»Macht ihr euch fertig? Packt eure Sachen zusammen, und dann können wir los«, mahnt Papa am frühen Nachmittag. »Und vergesst die Schlafanzüge nicht, sonst könnt ihr ja nicht bei euren Freundinnen übernachten.«

»Und Tobi und Milly nehmen wir auch mit! Maya und Lissy werden begeistert sein.« Kim beharrt auf ihrer Forderung, obwohl weder Mama noch Papa etwas dagegen gesagt haben.

Die beiden sehen sich an und lachen. Namen haben die Plüschhasen also auch schon!

 

Mama und Papa genießen ihren freien Tag – naja, den Nachmittag und den Abend, an denen Lissys und Mayas Eltern auf Kim und Leya nicht nur aufpassen, sondern mit ihnen und ihren eigenen Kindern spielen oder etwas unternehmen.

Am Montagmorgen können sie ausschlafen, erst spät geht Papa in die Küche und bereitet den Morgenkaffee und das Frühstück.

Gut gelaunt und mit einem breiten Lachen kommt Mama die Treppe herab. Kichernd verkündet sie: »Weißt du schon? Vor ein paar Minuten hat mich Mayas Mutter angerufen. Es war in toller Nachmittag, und mit ihrer Begeisterung über die Ostersachen haben Kim und Leya ihre Kinder angesteckt. Sie haben sich halbtot gelacht, als unsere beiden von ihrer Eiersuche erzählt haben. Weil ja …« Als sie ihrem Mann ins Gesicht sieht, unterbricht sie sich. »Schatz, was ist? Du siehst so blass aus!«

»Das kommt von dem Schrecken, den mir mein Chef eingejagt hat. Gerade hat er angerufen und gefragt, wo ich bleibe. Unsere Besprechung beginnt in ein paar Minuten. Denn Ostern ist erst am kommenden Wochenende!«

 

 

 

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