Rasante Action im düsteren Gewand

Ava Cooper: Schicksalspreis - Rebellion

Weltenbaumverlag, 2025

 

„Wie weit würdest du gehen, um andere vor skrupellosen Machenschaften zu schützen – ohne dich dabei selbst zu verlieren?“

Endlich kennt Lina den Drahtzieher hinter dem perfiden Spiel mit den Lebenswegen: Michael Oswald – ein skrupelloser Mafiaboss mit eigener Insel und ohne jedes Gewissen. Gemeinsam mit ihren Freunden plant sie, sich unbemerkt dorthin durchzuschlagen und ihm das Handwerk zu legen.

Während der Plan langsam Gestalt annimmt, geraten Lina und Finn immer häufiger aneinander. Ausgerechnet Miro scheint einen Teil in ihr zu erkennen, der ihr selbst fremd ist – und genau das macht sie nervöser als alles andere. Der ehemalige Soldat übt eine Faszination auf sie aus, mit der sie weder gerechnet hat noch umzugehen weiß.

Doch was sie schließlich auf Oswalds Insel erwartet, übersteigt selbst ihre schlimmsten Albträume. Die Wahrheit reicht tiefer und weiter, als sie je geahnt hätte. Lina steht vor einer alles verändernden Entscheidung: Rache oder Gerechtigkeit? Und wem kann sie überhaupt noch trauen, wenn selbst das Schicksal manipuliert werden kann?

 

ET 10. Juli 2025

ISBN: 9783690670142

Taschenbuch 520 Seiten

 

Bichcover von Der Scgicksalspreis
(c) Weltenbaum-Verlag

Buchbesprechung

 

Für Eilige

Als ich die Lektüre von „Schicksalspreis“ von Ava Cooper begann, dachte ich, ein Jugendbuch in Händen zu halten. Das Ende von Band 1 und der gesamte Band 2 ließen mich diese Einschätzung revidieren. Die Handlung mit Sex und Gewalt erinnerte vielmehr an den Bestseller-Thriller „Tom Clancy – Das Reich der Macht“. Das Setting ist aber ein völlig anderes. Persönlich mag ich der aus dem Schmetterlingseffekt abgeleiteten These nicht zustimmen, dass unser aller Schicksal vorherbestimmt sei und daher einer zentralen Kontrolle unterliegen solle. Dennoch fasziniert mich, wie Cooper darauf aufbauend ihre Figuren immer weiter in ein Netz von Intrigen verstrickt, in dem wohl „die ganz oben“ ihre Finger im Spiel haben.

 

Inhalt

Im 22. Jahrhundert führen die Teenager Lina, Anna, Emily und Chiara ein sorgenfreies, wenn auch von Leistungsdruck belastetes Leben. Brutal bringt eine Bluttat die Harmonie ins Wanken. Kann Linas Vater, der Leiter der Schicksalspolizei, das Komplott aufdecken, mit dem eine Gruppe von Abweichlern sich dem System der Bevormundung aller Menschen durch die Bestimmungsbehörde auch mit Mord entgegenstellt? Lina bezweifelt, dass der „Determinator“ den Tod ihrer besten Freundin vorherbestimmt hat. Doch wem kann sie trauen, wenn sie ihren Verdacht beweisen will? Immer tiefer verstrickt sie sich in die Widersprüche zwischen ihren Zweifeln am und ihrer Zustimmung zum System und stellt sich letztendlich der Entscheidung, auf welcher Seite sie steht und ob Gewalt als Mittel gegen Intrigen und Machtmissbrauch zu verabscheuen oder zu akzeptieren sei.

 

Schreibstil

Cooper pflegt eine jugendlich-frische Sprache, der auch – der jeweiligen Situation geschuldet – Kraftausdrücke nicht fehlen. Ausführliche Schilderungen von Folter und Erotik wenden sich eher an eine erwachsene Leserschaft. Die Lebendigkeit des Schreibstils wird verstärkt durch eine Erzählung aus der Ich-Perspektive und in der Gegenwart. Kurze Sätze in der Umgangssprache und authentisch klingende Dialoge zeichnen den Text aus, in dem die Gedanken, Hoffnungen und Ängste Linas viel Raum einnehmen. Literarisch positiv bewerte ich die stetige Intensivierung der Konflikte sowie Linas Charakterentwicklung, die sogenannte innere Heldenreise, einschließlich einer altersgemäßen Romanze. Alles, auch Gebäude und Stadtteile, schildert Cooper detailliert und gefühlvoll und zieht den Leser hinein in die futuristische Welt von „Schicksalspreis“ – ein gelungenes „Show, don’t tell!“ An einigen Stellen vereinfacht die Autorin Entscheidungsfindung und Handlungsverlauf, die mir dadurch weniger realistisch scheinen. Die interessante Grundidee und der konsequent aufgebaute Plot tragen aber zum rundum gelungenen Leseerlebnis bei.

 

Fazit

Schicksalspreis“ hielt mich gefesselt bis zur letzten Seite. Das Setting rief Assoziationen an Orwells „1984“ wach. Man merkt dem Buch an, dass Ava Cooper eine geübte Autorin und in Fantasy und Science Fiction zu Hause ist. Ein reines Jugendbuch ist „Schicksalspreis“ auf Grund der Bluttaten und mancher kompliziert oder wissenschaftlich klingenden Erklärung nicht. An ein paar Stellen sehe ich eine für mich zu naive Handlungsweise nicht nur der jüngeren Figuren. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich in Coopers dystopische Welt entführen zu lassen, wenn ihm nach locker geschriebener und gleichsam spannender Lektüre der Sinn steht. Auch bildet das Buch wegen seiner ernsthaften Auseinandersetzung mit Umweltsünden und sozialen Problemen einen Denkanstoß in Richtung moralischer Werte und Verantwortung. Darüber hinaus weckt die Konfrontation mit Zukunftstechnologie das Interesse am heute noch unmöglich Scheinenden und den sich daraus ergebenden ethischen Problemen. Der enge Bezug zur Künstlichen Intelligenz sowie zu sozialen und politischen Spannungen macht den Roman brandaktuell.