Lena Hoogen: Net:SICK DROWNING
CANTON CAPITAL – Stadt der Lichter.
Stadt der Lügen. Jahr 2093.
Rho Merka kämpft ums Überleben – und um das seiner Schwester. Seit zwei Jahren liegt Clover im künstlichen Koma, gefangen in einem virtuellen Spiel, das ihr Bewusstsein verschlungen hat. Um ihre
Medikamente zu bezahlen, arbeitet Rho für die Gangs der Unterstadt – bis ein Auftrag katastrophal schiefläuft und er Orion begegnet: dem geheimnisvollen Sohn der Frau, die das Spiel erschaffen
hat.
Als Clover plötzlich aus dem Spiel verschwindet, bleibt Rho keine Wahl, als mit ihm zusammenzuarbeiten. Ihre Suche führt sie tief in das digitale Herz der Megastadt.
Mit jedem Schritt verschwimmen die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld, Menschlichkeit und etwas anderem – doch Gefühle sind in Canton Capital ein Risiko. Und Vertrauen kann tödlich
sein.
In einer Welt, in der nichts echt scheint, ist
das Einzige, was zählt, das, was man zu verlieren fürchtet.
(Klappentext)
Rezension
Erster Eindruck
Dass ein Computerspiel seine Spieler einsaugen kann, wissen wir spätestens seit TRON und Jumanji. Was ist nun das Neue an Lena Hoogens Dystopie net:SICK DROWNING? Was als erstes auffällt, ist die Erzählung aus der Ich-Perspektive. Danach ist wichtig, dass die Hauptfigur ein Antiheld ist, was ihn sympathisch macht und weshalb sich der Leser schnell mit ihm identifizieren kann. Setting, Handlung und Figuren sind so interessant, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Der Schreibstil erinnert mich an einen Roman des deutschen Altmeisters der Science Fiction: Der Letzte seiner Art von Andreas Eschbach.
Inhalt
Nach einem Unfall, der nicht näher beschrieben wird, lebt Calix Tycho unter dem Namen Rho Merka in einer beinahe post-apokalyptischen Mega-City als Kleinkrimineller. Seine einzige Sorge gilt seiner Schwester Clover, die seit zwei Jahren im Wachkoma liegt, weil das von der Programmiererin Sona Dayholt weltweit vermarktete Spiel ihr Gehirn, ihre Gedanken und ihr Wesen auf einen Server geladen hat und nicht mehr freigibt. Durch eine Intrige gerät Rho in Kontakt mit Sona und trifft auf ihren Sohn Orion. Zusammen mit ihm sucht er nach einer Möglichkeit, Clover ins normale Leben zurückzuführen, wobei sie erfahren, dass noch Tausende anderer Spieler dasselbe Schicksal erlitten haben und einer noch größeren Gefahr ausgesetzt sind. Mit Hilfe von in seinen Körper integrierten Prothesen und des Hackers Reed beginnt Rho einen Feldzug gegen kriminelle Größen, die sich an den desaströsen Folgen des Spiels bereichern. Wissend, dass er sich dabei in Lebensgefahr begibt.
Schreibstil
Geschrieben ist der Roman in Umgangssprache, was ihn leicht lesbar und auch sympathisch macht. Lena Hoogen entführt uns in ein dystopisch anmutendes Ambiente. Gesehen durch die Augen des mutigen Antihelden Rho zeigt sie uns plastisch die Welt der wenigen Reichen und Mächtigen wie auch die der vielen Ärmeren oder denen mit Mittelmaß. Ihre Beschreibungen sind detailliert, ohne überladen zu wirken, und so authentisch, dass wir uns als Leser sofort zurechtfinden. Glaubwürdige Charaktere, nachvollziehbare Gedanken und Gefühle sowie lebensechte Dialoge machen die Figuren „dreidimensional“. Besonders die beiden Hauptfiguren Rho und Orion stellen sich mit ihren Gegensätzen und ihren unvermuteten Gemeinsamkeiten vor. Ein besonderes Augenmerk verwendet die Autorin auf die Spannung und die Natürlichkeit. Die düstere Stimmung überträgt sich als Mitgefühl auf den Leser, und die Sprache – Dialoge und Selbstgespräche – ist dem angemessen. Dabei greift die Autorin zu zwar moderaten Kraftausdrücken, aber für meinen persönlichen Geschmack zu häufig. Nüchtern betrachtet jedoch beleuchten sie in diesem Roman treffend das Wesen Rhos und gehören heutzutage wohl allgemein zur aktuellen Literatur.
Fazit
Mit net:SICK DROWNING legt uns Lena Hoogen einen Roman vor, der von der ersten bis zur letzten Seite mitreißt. Gekonnt entwickelt sie die Szenerie, stellt uns geduldig die Figuren vor und verdient unseren Respekt durch eine logisch aufgebaute Handlung, deren Spannung bis zum Schluss stetig ansteigt. Eine sanft eingebettete Liebesgeschichte lässt das dystopische Setting zeitweise vergessen und ist eine unaufdringliche Mahnung zur Toleranz. Gelungene Science Fiction, die ich jedem Fan des Genres, der auf Aliens und Raumschiffe verzichten kann, uneingeschränkt empfehle.
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